Kaninchenschnupfen: gefürchtet und ansteckend
02.03.2026 - Lesedauer: 4 Minuten

Das Kaninchen hat „Schnupfen“ – das klingt zunächst einmal harmlos, wenn damit ein typischer Menschenschnupfen assoziiert wird. In Wirklichkeit ist der Kaninchenschnupfen, medizinisch Rhinitis contagiosa cuniculi, eine verbreitete Krankheit, die unbedingt behandelt gehört. Lies hier, wie du erkennst, ob dein Langohr daran leidet und welche Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind.
Was ist Kaninchenschnupfen?
Kaninchen neigen zu Erkältungen, insbesondere, wenn sie gewöhnlich im Haus leben und im Frühjahr zu bald vom geheizten Zimmer in den kühlen Garten gebracht werden. Tiere in Freilandhaltung haben normalerweise ein stärkeres Immunsystem, aber durch widrige Umstände können auch sie sich erkälten.
Beim Kaninchenschnupfen handelt es sich allerdings nicht um die Folgen einer Verkühlung, sondern um eine ansteckende Krankheit, die durch eine Mischinfektion mit Pasteurellen, Bordetella bronchiseptica, Staphylokokken und Streptokokken ausgelöst wird. Viren und Pilze sind selten beteiligt. Die Krankheit wird in der Regel durch Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier übertragen, kann aber auch zeitverzögert durch den Kontakt mit kontaminierten Flächen und Gegenständen erfolgen. Eine Übertragung von Menschen auf Kaninchen ist nicht möglich: Du kannst mit deiner eigenen Erkältung dein Kaninchen als nicht anstecken und musst dir keine Sorgen machen. Tatsächlich ist ein Großteil der genannten Bakterien physiologisch auf Schleimhäuten zu finden und lösen ohne weitere Faktoren keine Erkrankung aus.
Begünstigt wird der Kaninchenschnupfen durch Fehler bei den Haltungsbedingungen: Hygienemängel, Zugluft, Stress oder Ernährungsfehler. Vor allem zu seltenes Ausmisten und Wechseln der Streu fördern die Verbreitung der Bakterien und eine erhöhte Ammoniak-Konzentration in der Umgebung der Tiere, die zur Reizung der Atemwege beiträgt. Für den Laien ist kaum zu erkennen, was genau der Auslöser für eine Schnupfenerkrankung ist; in jedem Fall solltest du das Kaninchen bei Verdacht auf Erkältungskrankheiten dem Tierarzt vorstellen. Egal ob es sich um bakterielle Infektion oder eine andere Grunderkrankung handelt: Nimm Atemwegserkrankungen bei Kaninchen ernst. Werden sie verschleppt, können sie chronisch werden, sich zu einer Lungenentzündung auswachsen oder schnell so sehr verstärken, dass sie für das Tier ein tödliches Ende nehmen.
Welche Kaninchenschnupfen-Symptome gibt es und ist Kaninchenschnupfen heilbar?
Im Anfangsstadium kann der Kaninchenschnupfen leicht mit einer „normalen“ Erkältung verwechselt werden, denn die ersten Symptome sind eher unspezifisch.
Symptome im Anfangsstadium:
- Leichter Schnupfen: Niesen, wässriger Nasenausfluss und eine leichte Entzündung der Nase sind die ersten Anzeichen der Erkrankung.
- Veränderungen des Sekrets: Das Nasensekret wird mit fortschreitender Erkrankung milchig und klebrig.
- Hartnäckige Krusten: Die Sekrete bilden Krusten an der Nase – teilweise auch aus blutigem Sekret durch die starke Reizung der Schleimhaut oder durch Scheuern beim vermehrten Putzen und Jucken.
- Verschleppung durch Schmierinfektion: Das vermehrte Putzen im Gesicht ist ein weiteres Symptom für Kaninchenschnupfen. Da das Kaninchen das infektiöse Sekret beim Reinigen des Gesichts an die Pfoten bekommt, wird es über Körper und Umgebung verteilt.
- Ansteckung der Augen und Ohren: Die Krankheit kann auf die Augen übergreifen und als Sekundärerkrankung eine eitrige Bindehautentzündung (z.B. gerötete Schleimhäute, vermehrter Augenausfluss) auslösen oder sich in einer Mittelohrentzündung (z.B. Hängenlassen des Ohrs, Kopfschiefhaltung) niederschlagen.
- Atembeschwerden: Die freie Atmung des erkrankten Tieres ist beeinträchtigt, deutlich zu erkennen an Atemgeräuschen und heftiger Flankenatmung.
- Erhöhte Temperatur: Im weiteren Verlauf kommt Fieber hinzu.
- Chronische Atemwegserkrankung: Die Atemwegsinfektion kann auf die Lunge übergehen und dort einen chronischen Verlauf nehmen.
Wichtige Info:
Kaninchen können nicht durch den Mund atmen! Daher droht bereits Erstickungsgefahr sobald die Nasenlöcher durch Sekret oder Krusten teilweise verschlossen sind.
Frühzeitig erkannt und behandelt, ist Kaninchenschnupfen therapierbar – eine Heilung ist nicht immer möglich. in Auftreten wird aber immer wieder durch nicht ideale Bedingungen ausgelöst. Vermeidet man diese können erkrankte Tiere symptomfrei leben. Prophylaktisch helfen zudem Inhalation mit Kochsalzlösung oder das Immunsystem unterstützende Produkte für Kaninchen z. B. Rodicare Immun bzw. Rodicare Pulmo und diverse Futterpflanzen wie Kamille oder Tropinambur. Ist das Kaninchen ansonsten gesund und nicht durch irgendwelche Faktoren geschwächt, stehen die Behandlungschancen gut: Die Kaninchen können ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Allerdings neigen viele einmal infizierte Tiere zu erneuten Krankheitsschüben, da die bakteriellen Erreger aufgrund ihres normalen Vorkommens nicht vollständig beseitigt werden können. Ein chronischer Kaninchenschnupfen, der bereits zu einer Lungenentzündung oder Ohrentzündung geführt hat, ist weit schwieriger und langwieriger zu behandeln.
Wie kann man Kaninchenschnupfen behandeln?
Die Behandlung des Kaninchenschnupfens sollte durch einen fachkundigen Tierarzt durchgeführt sowie begleitet werden und auf 5 Punkten aufbauen.
1. Die Diagnose
Wichtig ist sicherzustellen, dass es sich um einen Kaninchenschnupfen handelt und keine andere Problematik wie zum Beispiel Zahnprobleme, die den Nasenausfluss auslösen, vorliegen. Außerdem müssen weitere Erkrankungen erkannt und mitbehandelt werden.
2. Erregerbekämpfung
Um die Bakterien zu bekämpfen, müssen individuelle Medikamentenpläne erstellt werden und hier ist ein passendes Antibiotikum unabdingbar. Zusätzlich kann die Fütterung von Thymian, Kamille oder Kapuzinerkresse bei der Eindämmung der Bakterien unterstützen, jedoch solltest du die Gabe mit deinem Tierarzt absprechen.
3. Immunaufbau
Ist essenziell, um den Therapieerfolg zu sichern und einer erneuten Infektion entgegenzuwirken.
4. Schleim lösen
Wie bei uns Menschen ist eine laufende Nase und Atemprobleme unangenehm und sollte schnellstmöglich behoben werden. Vom Tierarzt verschriebene Schleimlöser und Inhalieren kann hier helfen. Lass dir das Vorgehen am besten direkt in der Praxis erklären.
5. Haltungsbedingungen
Hygiene ist das A und O! Tägliches Reinigen des Geheges sowie der Gegenstände wie Näpfe sind hier wichtig. Außerdem sollte Stress weitestgehend vermieden und auf eine artgerechte Haltung sowie hochwertige Ernährung gesetzt werden. Alle diese Punkte müssen zeitgleich umgesetzt werden und das über einen längeren Zeitraum, da die Behandlung des Kaninchenschnupfens meistens langwierig ist.
Gibt es eine Impfung gegen Kaninchenschnupfen?
Aktuell gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen Erreger des Kaninchenschnupfens. Daher ist es umso wichtiger auf die möglichen Auslöser dieser Erkrankung zu achten und ihnen entgegenzuwirken.
Artegerechte und hygienische Haltungsbedingungen sind essenziell neben einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei einem fachkundigen Tierarzt. Sollte dein Tier Auffälligkeiten wie häufigeres Niesen und etwas Nasenausfluss zeigen, dann warte nicht zu lange, um zur Tierarztpraxis zu fahren. Früh erkannt kann der Kaninchenschnupfen in der Regel gut behandelt werden.
Für große Kaninchengruppen wie z. B. in Tierheimen oder im Tierschutz können von spezialisierten Stellen sogenannte „stallspezifische Vakzine“ hergestellt werde. Das ist für den Privathaushalt in der Regel nicht nötig.


